Eine kleine Reise durch Missverständnisse, Kommunikation und das, was unter der Oberfläche liegt

Wir alle kennen diese Situationen: Man glaubt, etwas eindeutig formuliert zu haben – und trotzdem kommt beim Gegenüber etwas völlig anderes an.

Kommunikation besteht eben aus weit mehr als den gesprochenen Worten. Oft entscheidet nicht der Inhalt einer Botschaft über ihren Erfolg, sondern die Art, wie sie verstanden wird.

Wenn klar nicht klar ist – das Vier-Seiten-Modell

Der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun beschreibt, dass jede Botschaft gleichzeitig vier Ebenen enthält:

  • Sachinhalt – Worum geht es?
  • Selbstoffenbarung – Was sagt der Sprecher über sich?
  • Beziehung – Wie steht er zum Gesprächspartner?
  • Appell – Was möchte er erreichen?


Ein einfaches Beispiel:
Zwei Brötchen bitte."

In einer Bäckerei funktioniert dieser Satz problemlos.

Im Autohaus dürfte er dagegen für Verwunderung sorgen.

Das Beispiel zeigt: Kommunikation lebt nicht nur vom Inhalt, sondern immer auch vom Kontext.

Der Eisberg der Kommunikation

Noch deutlicher wird das durch die bekannte Eisbergmetapher.

Bildlich gesprochen ist nur ein kleiner Teil unserer Kommunikation unmittelbar sichtbar:

  • Sprache
  • Auftreten
  • Körpersprache
  • Funktion
  • Verhalten


Der weitaus größere Teil bleibt verborgen:

  • Werte
  • Motive
  • Erfahrungen
  • Emotionen
  • persönliche Belastungen
  • Erwartungen


Genau diese unsichtbaren Faktoren beeinflussen häufig, wie Botschaften verstanden werden.

Was die Titanic mit Kommunikation zu tun hat

Die Titanic scheiterte nicht an dem, was sichtbar war, sondern an dem, was unter der Wasseroberfläche lag.

In der Schifffahrt helfen heute Sonarsysteme dabei, Unsichtbares frühzeitig zu erkennen.

Für zwischenmenschliche Kommunikation gibt es ein solches Sonar leider nicht.

Was wir jedoch entwickeln können, ist unsere Wahrnehmung.

Unser persönliches Kommunikations-Sonar

Statt vorschnell zu reagieren, helfen oft einfache Fragen:

  • Welche Stimmung bringt mein Gegenüber gerade mit?
  • Welche äußeren Umstände könnten sein Verhalten beeinflussen?
  • Welche Bedürfnisse oder Sorgen erkenne ich möglicherweise noch gar nicht?
  • Bin ich selbst im Moment bereit für ein gutes Gespräch?


Oft entscheidet nicht die perfekte Formulierung über den Erfolg eines Gesprächs, sondern der richtige Zeitpunkt und echtes Interesse am Menschen.

Warum das gerade in der Führung wichtig ist

Ob Mitarbeitergespräch, Kundentermin oder Konflikt:

Wer den Menschen hinter dem Verhalten wahrnimmt, versteht Zusammenhänge schneller und trifft bessere Entscheidungen.

Kommunikation wird dadurch

  • achtsamer,
  • wertschätzender,
  • klarer
  • und häufig erfolgreicher.

Fazit

Gespräche gelingen selten allein durch die richtigen Worte.

Sie gelingen, wenn wir bereit sind, auch das wahrzunehmen, was zunächst verborgen bleibt.

Vielleicht gibt es kein echtes Kommunikations-Sonar.

Unsere Aufmerksamkeit kann ihm jedoch erstaunlich nahekommen.


Wenn Sie mehr über Kommunikationsmodelle, Führung oder den Umgang mit schwierigen Gesprächssituationen erfahren möchten, freue ich mich auf den Austausch.